Die Pfalz wird bayerisch

Von 1796 bis 1814 gehört die Pfalz zuerst faktisch und dann auch staatsrechtlich zu Frankreich. Nach der Niederlage Napoleons wird die Pfalz auf dem Wiener Kongreß Bayern zugeschlagen. Der "Rheinkreis" gilt im Mutterland lange Zeit als ungeliebtes Anhängsel. Den aus Altbayern stammenden, in der Pfalz eingesetzten Beamten und Militärs fehlt es oftmals an Verständnis für die Besonderheiten des Rechtssystems und die Mentalität der einheimischen Bevölkerung. Hohe Steuern und langandauernde zollrechtliche Benachteiligungen stellen die Loyalität der Pfälzer auf eine harte Probe. Die pfälzischen Abgeordneten im bayrischen Landtag gehören mehrheitlich der liberalen Opposition an. Die Anhänglichkeit der pfälzischen Bevölkerung an Frankreich und die revolutionären Bestrebungen der Pfalz werden von der bayrischen Regierung überschätzt. Die Tragweite der nationalen und demokratischen Grundströmung, die sich 1832 auf dem Hambacher Fest zeigt, wird dagegen unterschätzt. Um so energischer geht Bayern nach dem Hambacher Fest mit administrativen, militärischen und juristischen Mitteln gegen die Bevölkerung vor. LT

 

(Auszug aus "Das Hambacher Schloss" - "Ein Fest für die Freiheit". Herausgegeben von Meinrad M. Grewenig und der Stiftung Hambacher Schloss)