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Demokratie-Forum - Demokratie in Zeiten digitaler Medien – Zwischen Qualitätsjournalismus und Fakenews
Mittwoch 10 März 2021, 19:00

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Demokratie-Forum Hambacher Schloss

 

Demokratie in Zeiten digitaler Medien –

zwischen Qualitätsjournalismus und Fakenews

 

Im Internet kann jeder, der will, Nachrichten verfassen, veröffentlichen und verbreiten - auch Fake News, beispielsweise über Corona-Impfungen. YouTube, Facebook und Twitter machen es möglich.

Längere Artikel oder kurze Meldungen, beispielsweise Berichte von Unfällen, werden längst nicht mehr nur von professionellen Journalisten geschrieben. Wie gut die Fakten recherchiert wurden, wer die Texte geschrieben hat und welche Absichten damit bezweckt werden, überprüfen viele Nutzer nicht. Jede noch so absurde Nachricht findet ihre Follower. Der professionelle Blick darauf, welche Nachrichten die Schleuse in die Öffentlichkeit, das Gate, passieren sollten, fehlt dabei. Was macht das mit uns? Wie gehen wir als Gesellschaft damit um?

Prof. Dr. Jeanette Hofmann leitet am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin die Forschungsgruppe Politik der Digitalisierung. Ihr ist wichtig, Digitalisierung nicht als eine Art Naturgewalt zu betrachten, als einen Angriff auf etablierte Institutionen oder einen Angriff auf die Demokratie: "Medien spielen in meiner Beschreibung die Rolle eines Möglichkeitsraums."

In der Zeit des Arabischen Frühlings seien Internet und soziale Netzwerke als eine Stärkung der Demokratie wahrgenommen worden, jetzt als Bedrohung. "Medien schreiben uns nicht vor, wie wir kommunizieren, sondern sie ermöglichen Kommunikation und damit hängt es von unseren Wahrnehmungen, Wünschen und Dispositionen ab, wie wir Medien nutzen und das beeinflusst die Medien selbst", sagt Hofmann. 

"Medien nehmen eine wichtige Kritik- und Kontrollfunktion in der Demokratie wahr. Wir haben in der Krise noch mal einen Crashkurs erlebt, wie Fake News und Desinformation funktionieren und wie wichtig es ist, dass wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk Mitarbeitende haben, die den journalistischen Beruf beherrschen und die  Sachverhalte nach handwerklichen und ethischen Standards sauber aufbereiten können“, sagt SWR Intendant Kai Gniffke. 

Medienvertrauen steigt in Corona-Pandemie

Im Pandemie-Jahr 2020 ist das Vertrauen in die Medienberichterstattung einer Studie zufolge merklich gestiegen. Eine repräsentative Umfrage von etwa 1000 Wahlberechtigten von Infratest Dimap im Auftrag des WDR ergibt, dass mehr als zwei Drittel der Befragten die Berichterstattung der Medien in Deutschland für vertrauenswürdig halten. Zweifel an der Unabhängigkeit der Medien gibt es dennoch. Mindestens jeder Dritte der Befragten glaubt, es gäbe eine politische Einflussnahme auf die Berichterstattung. 

Welcher Quelle vertrauen Sie?

Was bedeutet diese Entwicklung für die demokratische Willensbildung und einen faktenbasierten Diskurs? Soziale Medien machen sichtbar, welche Strömungen schon vorher in der Gesellschaft vorhanden waren - auch menschenfeindliche und antidemokratische. Nicht erst seit dem Angriff auf das US-Kapitol in Washington wird diskutiert, wer die Verantwortung für die veröffentlichten Inhalte trägt. Die Sperrung der Accounts des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bei Twitter und Facebook zeigt eines ganz deutlich: die enorme Macht der großen Online-Konzerne, die nach eigenen Kriterien entscheiden können, welche Accounts sie stumm schalten.

 

Moderation:

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Prof. Dr. Dr. Michel Friedman 

Foto: Nicci Kuhn

 

Es diskutieren:

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Prof. Kai Gniffke

Intendant des SWR

"Wir haben in der Krise noch mal einen Crashkurs erlebt, wie Fake News und Desinformation funktionieren und wie wichtig es ist, dass wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk Mitarbeitende haben, die den journalistischen Beruf beherrschen und die Sachverhalte nach handwerklichen und ethischen Standards sauber aufbereiten können."

Foto: SWR

 

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Prof. Dr. Jeanette Hofmann

FU Berlin / Leiterin der Forschungsgruppe Digitalisierung  im Wissenschaftszentrum Berlin

"Da kann man sich fragen, warum ist das Internet so geworden, wie es ist. Und das hat sehr viel damit zu tun, dass wir in allen westlichen Gesellschaften eine starke Privatisierungsphase eingeleitet haben, das ist ein Faktor. Ein anderer ist natürlich auch, dass wir als Gesellschaft sehr viele Konventionen über Bord geworfen haben und eine sehr stark individualisierte Gesellschaft geworden sind. Das drückt sich unter anderem in der Art, wie wir soziale Netzwerke nutzen, aus."

Foto: David Außerhofer

 

 

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wird das Demokratie-Forum am 10. März ohne Zuschauer*innen stattfinden.

Sie können aber live dabei sein und das Gespräch online verfolgen. Den entsprechenden Link finden Sie am 10. März hier.

Außerdem wird das Demokratie-Forum im SWR/SR Fernsehen gezeigt:

12. März 2021 um 02.45 Uhr

und

14. März 2021 um 11.00 Uhr