Anderes Verständnis von Denkmalpflege heute

Am Zuschnitt des großen Festsaals hat sich nichts geändert. Die historischen Mauern, die letztlich auf die Ruine der mittelalterlichen Burganlage zurückgehen, bestimmen noch heute das Raumbild. Die Decke aber, Monate lang ein Zankapfel in der öffentlichen Diskussion, hat ihren rustikalen Charakter abgestreift. Statt pseudo-mittelalterlicher Holzbalken hat der international gefeierte Architekt Max Dudler eine moderne Deckenkonstruktion eingezogen, versehen mit allen Vorrichtungen, die man in Sachen Ton und Licht für Veranstaltungen im 21. Jahrhundert benötigt.

Auch im Siebenpfeiffersaal hat sich erkennbar viel getan: Aus zwei kleineren Räumen ist ein größerer geworden, ideal für Tagungen oder kleinere Veranstaltungen. Im Umfeld der Säle setzt die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Hambacher Festes von 1832 zeitgemäße Akzente. „Hinauf, hinauf zum Schloss“ lautet ihr Motto – gemäß dem Festaufruf der demokratisch gesinnten Bürger anno 1832. 176 Jahre später strömen Bürgerinnen und Bürger wieder ins Hambacher Schloss – nicht in eine Burgruine, sondern in ein modernes Haus mit vielfältigen Facetten.

Das neue Nutzungskonzept und ein anderes Verständnis von Denkmalpflege standen im Vordergrund, als man im Herbst 2007 mit dem Umbau begann. Max Dudler nahm sich vor, „die Sprache des Ortes zu respektieren und innerhalb ihres Vokabulars eine architektonisch passende Antwort zu finden.“ Im Falle des Hambacher Schlosses bedeutete dies einerseits Respekt vor der historischen Bausubstanz, wie sie aus detaillierten Bauaufnahmen zu rekonstruieren war, andererseits die Suche nach alternativen Lösungen dort, wo man in den vergangenen Jahrzehnten nur einem zeitbedingten Begriff von Historie gefolgt war. Im Festsaal wirken das vornehme Anthrazit der Decke und die moderne Bestuhlung in Schwarz und Chromstahl luftig und dezent modern. Der Fußboden tut ein Übriges, um den rustikalen Einrichtungsstil von einst durch eine zeitgemäße Ästhetik zu ersetzen.  

Dass der Schweizer Max Dudler für eine solche Aufgabe der richtige Mann ist, hat er mit Bauten wie dem Messehaus 9 und der Galleria der Frankfurter Messe schon früh bewiesen. Immer wieder standen auch dezente Modernisierungen historischer Bauten im überfüllten Auftragsbuch des Global Players in Sachen Architektur, der seine vielen Baustellen von seinem Berliner Büro aus lenkt. Den Umbau des Hambacher Schlosses auch als Rahmen für die neue Dauerausstellung termingerecht fertig zu stellen, war ein Kraftakt für alle Beteiligten. Nun darf die Stiftung Hambacher Schloss einem denkwürdigen Tag entgegen sehen: einer neuen Phase in der Geschichte des Schlosses.