Schlossumgebung im Detail

lageplan

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Wohnhaus (Palas): heute Schloss mit Festsaal, Sieben-Pfeiffersaal, Dauerausstellung zur Geschichte der Demokratie Hinauf, hinauf zum Schloss! und zum Hambacher Fest 1832

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Turm (120 Stufen, nicht behindertenrecht begehbar)

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ehemaliger Bergfried

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"Hoher Mantel" (erhöhte Ringmauer)

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Schlosshof

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Brunnen

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Innere Ringmauer

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Mittlere Ringmauer

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Voitscher Vorbau; geplanter zweigeschossiger Bau mit Speisesaal: heute Kasse

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ehemaliges Tor zur Kernburg

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Bastion

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  Kapelle

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  Restaurant 1832

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  Panoramaterrasse

 

Das Hambacher Schloss im Detail

Auf einem freistehenden, nach allen Seiten abfallenden Bergkegel gelegen, erforderte die weithin sichtbare Gipfelburg in Neustadt-Hambach im Mittelalter eine Rundumverteidigung nach allen Seiten. Das erklärt die drei Ringmauern, die sich in weitem Abstand un die Kerngebäude legen. Im Innern der ellitischen Wehrmauern sind die Überreste der alten Kernburg zu bewundern, gleichfalls von elliptischer Form. In den beiden Brennpunkten der Ellipse stehen der Palas und der Bergfried. Beide waren im Süden durch eine erhöhte Mauer verbunden, den "Hohen Mantel". Er geht in seinem unteren Teil auf das 12. oder 13. Jahrhundert zurück, wurde erst im Spätmittelalter bis zur Höhe des Bergfrieds aufgestockt. Einen Eindruck von der mittelalterlichen Anlage vermittelt sonst nur die Außenseite von Bergfried und Palas mit ihrem wuchtign Mauerwerk aus Buckelquadern: Beim Bergfried ist die westliche Außenwand alles, was stehen geblieben ist, und der Palais wurde durch den Ausbau zum Schloss in der Mitte des 19. Jahrhunderts stark verfremdet. Mit seinen großen Fenstern und dem Flachdach hinter den Zinnen zeigt es vor allem zum Burghof hin, starke Anklänge an Palazzi der italienischen Spätgotik. Zur 150. Wiederkehr des "Hambacher Festes" 1982 entstanden im Palas der Festsaal und zwei kleinere Säle, für die nur Sandstein, Schmiedeeisen und Holz verwendet wurde. In den Jahren 1998 bis 2000 wurde die äußere Ringmauer saniert.

2006 wurde nach einem öffentlichen Wettbewerb im Jahre 2004 mit der Grundsanierung des Hambacher Schlosses begonnen, die in mehreren Bauabschnitten abgewickelt wird. Dabei spielt die Überlegung eine Rolle, das Schloss während des Baugeschehens - mit kleineren Unterbrechungen - nicht stillzulegen, sondern weiterhin in das touristische Leben der Region einzubinden. Die Idee des „Weiterbauens“, dem Leitgedanken des Entwurfs von Architekt Max Dudler, hat die Jury überzeugt. Es wurde eine innere Barrierefreiheit hergestellt mit dem Einbau eines Aufzugs, der Schaffung einer behindertengerechter Toilette und der Schaffung behindertengerechter Ausgängen zum Innenhof. Viele heute notwendigen behördlichen Auflagen mussten erfüllt werden: so die Schaffung eines zweiten Rettungsweges oder der Bau eines unterirdischen Löschwassertanks. Der Festsaal und der Siebenpfeiffer-Saal wurden neu gestaltet, ebenso die  Dauerausstellung Hinauf, hinauf zum Schloss! neu konzipiert. Als Ersatz für die nicht mehr funktions- und konzessionsfähige Schloss-Schänke und für die Verpflegung der Tagungsteilnehmer im Schloss wurde ein Restaurantneubau an der historischen unteren Ringmauer errichtet, der auch vor dem Hintergrund einer professionellen und auf Internationalität ausgerichteten Nutzung des Hambacher Schlosses als modernes Tagungszentrum notwendig wird. Der Neubau passt sich ausgezeichnet in den Baukomplex ein und es wurde großer Wert auf die Verbindung „alt“ und „neu“ gelegt. Oberstes Ziel des Eingriffs war die Stärkung und Reparatur der wesentlichen räumlichen Charakteristika des Hambacher Schlosses. Unumgängliche thematische Setzung des Bestandes ist das Thema der Mauer. Einzig der Schlossbau selbst emanzipiert sich im Zentrum der Mauerringe als beherrschendes Volumen. Zentrales Element ist der verwendete Stein, Mauerringe und Schlossvolumen sind "aus einem Guss". Dieser thematische Setzung des Bestandes ordnet sich der Neubau konsequent unter, spielt das Thema der konzentrischen Mauer im selben Material und stärkt so die Lesbarkeit der Gesamtanlage. Schloss und Restaurant (mit Dachterrasse) sowie die neu gestaltete, weitläufige Panoramaterrasse und die Verbindung zwischen Innerer und Mittlerer Ringmauer sind zu einer Einheit geworden.

Um ein denkmalpflegerisch so schwieriges Projekt abwickeln zu können, waren und sind fortlaufend Baubestandsanalysen, Bauforschungsmaßnahmen, Modellbau, Dokumentationen, archäologische Grabungen, Bohrungen und Sondierungen notwendig. Aber, es hat sich gelohnt.